Diese Seiten sind nur noch eine Dokumentation des Eineweltnetz.org,
das vor allem die Projekte im Jahr 2003 dokumentiert.
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Autor:
http://fritz-letsch.de

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oder organisiert werden ...

mitarbeiten
ein netz braucht tausende von knoten ... ich = einer

KOSOVa 8-2003
und internationale Projekte

GESTALT - Forum
Politik Pädagogik Therapie Supervision

Agenda 21 Eine Welt
München: gsundheit!

Forum-Theater
theater-methoden im einsatz

Paulo-Freire-Gesellschaft für befreiende Pädagogik
PARTIZIP Beteiligung
Kinder und Jugendliche politisch beteiligen

Radio LoRa 92,4
Gegensprechanlage Freitag ca. 22-24 Uhr auf lora924.de

Selbsthilfe & SO
SelbstOrganisation!

Visionstheater
für Teams in Unternehmen

WELTLINX
wer sonst noch in Welt hinausblickt


Bund Enormer Dynamik

Das münchner

Bündnis zur Erneuerung der Demokratie (siehe Flugrad und auch http://www.forum-bildungspolitik.de/mitglieder/bed.html)

begleitet die bayrische Landesschülervertetung bei ihrem Kampf um Anerkennung und demokratische Beteiligung.

 

Demokratie -

an Bayerns Schulen nicht möglich?

Der Entwurf zur Tagung ist [irgendwo] zu finden

 

am Samstag 13. Dez 2003 ab 19.30 öffentliche Veranstaltung

mit veränderbaren Forum-Szenen zum Schul-Alltag, am Nachmittag mit Studierenden der fhm / sozialwesen erarbeitet.

 

 


Verein für Gemeinsinn-Netzwerk im Aufbau

 

Stand 15.11.2003

Satzung des Netzwerk Gemeinsinn e.V.

§ 1 Name und Sitz des Vereins

  1. Der Verein führt den Namen "Netzwerk Gemeinsinn (e.V.)".

  2. Der Vereinssitz ist München.

 

§ 2 Zweck des Vereins

Zweck des Vereins ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung sowie von Bildung und Erziehung im Bereich partizipativer und demokratischer Beteiligung.

Dies geschieht in erster Linie durch den Aufbau eines Netzwerkes zur Verbreitung von Gemeinsinn, zur Durchführung von Gemeinsinn-Werkstätten und zur Qualifizierung von Begleitern für Gemeinsinn-Werkstätten. Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts "Steuerbegünstigte Zwecke" der Abgabenordnung.

Der Vereinszweck wird verwirklicht durch

die Durchführung von Gemeinsinn-Werkstätten, um die demokratische Beteiligung in der Bürgergesellschaft zu fördern und Modelle gegen Mutlosigkeit zu verbreiten

Aus- und Fortbildungen zur Organisation und Begleitung von Gemeinsinn-Werkstätten

entwickeln von Seminar-Bausteinen für neue Elemente gemeinsinniger Bildungsarbeit

wissenschaftliche Veranstaltungen und Forschungsvorhaben

die Erstellung und Pflege einer Internet -Präsenz als Forum und Austauschmedium für Methoden partizipativer Bildungsarbeit

 

§ 3 Tätigkeit und Mittelverwendung

  1. Der Verein ist selbstlos tätig; er verfolgt keine eigenwirtschaftlichen Zwecke.

  2. Die Mittel des Vereins dürfen nur für die satzungsgemäßen Zwecke verwendet werden. Die Mitglieder erhalten keine Zuwendungen aus den Mitteln des Vereins.

  3. Es darf keine Person durch Ausgaben, die dem Zweck der Körperschaft fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt werden.

 

§ 4 Geschäftsjahr

Das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr.

 

§ 5 Mitgliedschaft

  1. Mitglied kann jede Person oder Institution werden, die den Vereinszweck unterstützt.

  2. Die Mitgliedschaft beginnt durch Aufnahme durch den Vorstand. Bei Ablehnung entscheidet auf Einspruch des Bewerbers die Mitgliederversammlung.

  3. Der Antrag auf Aufnahme ist schriftlich zu stellen.

  4. Es gibt aktive Mitglieder und Fördermitglieder ohne Stimmrecht.

§ 6 Beendigung der Mitgliedschaft

  1. Die Mitgliedschaft endet durch Austritt, Tod oder Ausschluss.

  2. Der Austritt kann jederzeit durch schriftliche Erklärung erfolgen. Entrichtete Beiträge werden nicht erstattet.

  3. Der Ausschluss kann nur wegen Verstoßes gegen die Ziele des Vereins oder aus einem anderen wichtigen Grund erfolgen. Über den Ausschluss entscheidet der Vorstand nach Anhörung des Mitgliedes. Auf Einspruch der betreffenden Person entscheidet die Mitgliederversammlung.

 

§ 7 Beiträge und Spenden

  1. Der Verein erwirbt die zur Erreichung seiner Ziele und zur Erfüllung seiner Aufgaben notwendigen Mittel durch Beiträge, Spenden und Zuwendungen aller Art.

  2. Jedes Mitglied des Vereins verpflichtet sich zur Zahlung eines Mitgliedsbeitrages. Die Höhe dieses Beitrages wird durch die Mitgliederversammlung festgesetzt. Der Beitrag ist jährlich im Voraus zu zahlen.

 

§ 8 Organe des Vereins

Organe des Vereins sind die Mitgliederversammlung, der Vorstand und das Qualitätsgremium.

 

§ 9 Vorstand

  1. Drei Vorstände führen die Geschäfte des Vereins, in einzelnen Bereichen die Finanzen, die Außenvertretung und die Innen-Kommunikation. Sie wählen eine Person zur formal Vorsitzenden.

  2. Ihnen obliegt die satzungsgemäße Verwendung der Mittel, die Vorbereitung und Durchführung der Mitgliederversammlungen, die Ausführung der Beschlüsse der Mitgliederversammlungen, die Vertretung des Vereins nach außen, wofür in erster Linie eine formale Vorsitzenden-Person zuständig ist.

  3. Sie sind Vorstand im Sinne des § 26 BGB. Je zwei Vorstände vertreten den Verein nach außen.

  4. Der Vorstand hat über die Verwendung der Mittel jährlich gegenüber der Mitgliederversammlung Rechenschaft abzulegen.

  5. Sie üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus. Tatsächliche Ausgaben werden ihnen auf Antrag erstattet.

§ 10 Mitgliederversammlung

  1. Mindestens einmal jährlich, außerdem auf Beschluss der Verantwortlichen oder auf Antrag eines Viertels der Mitglieder tritt die Mitgliederversammlung zusammen.

  2. Zur Mitgliederversammlung wird mindestens zwei Wochen vorher schriftlich (per mail) mit Angabe der Tagesordnung von den Verantwortlichen eingeladen.

  3. Ihr obliegt die Wahl des Vorstandes und die Wahl der beiden Rechnungsprüfer/ Rechnungsprüferinnen sowie des Qualitätsgremium, jeweils für die Dauer von einem Jahr. Die Vorstands-Dreier-Gruppe kann einmal wiedergewählt werden, dann muss eine neue Konstellation aufgestellt werden.

  4. Unabhängig hiervon ist jederzeit eine Abwahl, Nachwahl oder Neuwahl des Vorstandes möglich, wenn dies in der Einladung zur Mitgliederversammlung auf der Tagesordnung angekündigt ist.

  5. Die Mitgliederversammlung nimmt den Bericht des Vorstands, der Rechnungsprüfer/ Rechnungsprüferinnen und des Qualitätsgremium entgegen und entscheidet über die Entlastung der Verantwortlichen.

  6. Die Mitgliederversammlung fasst Beschlüsse über die Arbeit des Vereins. Satzungsänderungen sind nur mit einer 2/3-Mehrheit der anwesenden Mitglieder möglich, wenn dies fristgerecht mit allen vorliegenden Vorschlägen in der Einladung zur Mitgliederversammlung angekündigt ist.

  7. Über die Beschlüsse ist eine Niederschrift zu fertigen. Sie wird durch Unterschrift von Protokollierenden und Versammlungsleitenden anerkannt und genehmigt.

  8. Die Mitgliederversammlungen sind öffentlich. Durch Mehrheitsbeschluss kann die Öffentlichkeit jedoch auch ausgeschlossen werden.

  9. Satzungsänderungen, die von Behörden aus Gründen des Steuer-, Gemeinnützigkeits- oder Vereinsrecht verlangt werden, können von den Verantwortlichen selbständig ohne Einberufung der Mitgliederversammlung vorgenommen und ausgeführt werden. Solche Satzungsänderungen sind den Mitgliedern der Gesellschaft umgehend schriftlich mitzuteilen.

 

§ 11 Auflösung

Im Falle der Auflösung des Vereins oder bei Wegfall steuerbegünstigender Zwecke fällt das Vermögen an Médecins Sans Frontières – Ärzte ohne Grenzen Deutsche Sektion e.V. Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, www.aerzte-ohne-grenzen.de (Medizinische Nothilfe in Ländern, in denen Menschen durch (Bürger-)Kriege oder Naturkatastrophen in Not geraten) Kto 97 097 Sparkasse Berlin BLZ 100 500 00, die es unmittelbar und ausschließlich für gemeinnützige oder mildtätige Zwecke zu verwenden haben.

 

§ 12 Gültigkeit

Die Satzung ist am 12. 9. 2003 von den Gründungsmitgliedern beschlossen und tritt nach Eintragung ins Vereinsregister in Kraft.

 

1001 Visionen und GemeinSinn

1001 Visionen will ein neues Denken der Beteiligung durch Zukunftskonferenzen und Zukunftswerkstätten etc. starten, stellt Knut Hueneke auf http://www.khueneke.link-m.de/ vor.

 

eine der möglichen Methoden: GemeinSinn-Werkstätten wie im http://www.projekt-gemeinsinn.net/ beschrieben, im September werden in Bad Boll das Entwicklungs-Ergebnis ernten.

Kommunale Identität wecken

Im Kosovo musste ich die schreckliche Erfahrung machen, wie hilflos sich Leute fühlen, wenn sie keine eigene Struktur in ihrem Ort zur Meinungsbildung und zur gemeinsamen Entscheidung haben.

 

Wer grosse Interessen und das Geld hat, fährt in die nächste Stadt zur Verwaltung und holt sich z.B. eine Genehmigung zum betreib des Kieswerkes mitten im Ort, in dem dann keiner mehr schlafen kann. 

 

Dann haben alle, die dort arbeiten, zu schweigen ...


Die Stiftung Mitarbeit ...

bringt Hintergründe für Bürgerbeteiligung

Selbstorganisierte Jugend-Beteiligung in Bayern:

 

Seminar  "Demokratie rockt!"

der LSV-Bayern,

der Landesschülervertretung und mit Studierenden münchner Hochschulen

 

für ca 14-15 Teilnehmende aus ganz Bayern, dazu können münchner Jugendliche kommen, und Mitarbeitende vom Bündnis zur Erneuerung der Demokratie BED

 

Ankunft in München Fr 12. Dezember 18 Uhr HBF,

gemeinsame Fahrt zum CASA LUZ, Runde zum Ankommen und Vorstellen,

Einstieg ins Wochenend-Programm und Thema, Imbiss

 

20.45 bis 21.30 Uhr Fahrt in die Redaktion bei Radio Lora, Gravelottestr. 6 (Ostbahnhof)

Einführung selbstorganisiertes Bürger-RadioRadio und die Talk-Sendung Gegensprechanlage:

kennenlernen SchülersprecherInnen und Studierende: gemeinsam Schwerpunkte finden

reihum bringen alle mal ihren Hintergrund, und ihre Lieblings- oder thematische Musik

22.10 bis 24 Uhr Radio-Sendung

Vorstellung des Projektes in der GEGENSPRECHANLAGE auf Lora München 92,4

was uns in Schulen und Hochschulen an demokratischer Mitwirkung hindert

bis dahin hoffentlich auch per Livestream im Internet auf http://www.lora924.de/ oder http://www.indynews.net/ zu hören

 

Sa 13. Dezember morgens:

Beteiligungsmodelle in anderen Bundes-Ländern und Ländern, 

ähnliche Projekte in anderen Bereichen (z.B. Schulforen, Landes-Eltern-Rat ...)

 

nachmittags ab 13 Uhr: 

im Saal des Selbsthilfezentrum SHZ, Bayerstr. 77a RGB 

Forum-THeater-Workshop mit Studierenden der fhm fachbereich sozialwesen

gemeinsam Szenen erarbeiten : Was hindert uns an politischer Beteiligung

 

abends 19.30 im Selbsthilfezentrum  öffentlicher FORUM-THEATER-Abend:

öffentlicher Abend mit VertreterInnen von Bewegungen und Initiativen,

Jugendrat und Münchner Schüler-Büro, die Interesse am Thema haben

 

sehr knapp die Personen (VertreterInnen)  vorstellen,  15 min

Forum-Szenen vorstellen: Was hindert mich an demokratischer Beteiligung? 

und durch das Publikum verändern, ca 45 min, kleine Pause (Getränke)

 

Gesprächsrunde:  Wie können wir Beteiligung verbessern und Demokratie lernen? ca 60 min

Vorschläge und bereits laufende Projekte, Zusammenarbeiten und Austausch

Themen und Verabredungen für weitere Initiativen zusammenstellen

 

So 14. Dezember morgens:

"Cafehaus-Seminar": moderierter Austausch in rolierenden Kleingruppen aus allen Interessierten,

Notizen auf den "Tischdecken" mit und für Verabredungen für die Weiterarbeit.

 

Hospitationen und selbstorganisierte Praktika können zertifiziert werden. Herzlichen Dank für die Unterstützung durch die Aktion Humane Schule und Imbiss-Beiträge durch BED, das münchner Bündnis zur Erneuerung der Demokratie (siehe auch Flugrad und http://www.forum-bildungspolitik.de/mitglieder/bed.html)

 

 

Tagung im Institut für Jugendarbeit Gauting abgesagt

DEMOKRATIE für Kinder und Jugendliche IM ALLTAG

 

die Tagung im http://www.institutgauting.de/ 27. / 28. Oktober 2003 mit Forum-Theater zur Frage der politischen Beteiligung Jugendlicher ist leider abgesagt, das Werkstattbuch "Theater macht Politik" wird zur Zeit zur Neuauflage bearbeitet.

 

Jugendliche zum Thema Beteiligung

NUR MIT UNS:

Jugendliche zum Thema Beteiligung

Bericht von einem Forum-Theater-Projekt

für das Deutsche Jugend Institut DJI

und Erfahrungsberichte von Jugendlichen, in:

 

Partizipation von Kindern und Jugendlichen

als gesellschaftliche Utopie?

 

Ideale - Erfahrungen - Perspektiven

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend,

Dokumentation des Bundeskongresses am 12./13. November 2001

 

Bezug:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 53107 Bonn, Tel. 0180-5329329, broschürenstelle(at)bmfsfj.bund.de www.bmfsfj.de

 

Die Broschüre ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit der Bundersregierung; sie wird kostenlos abgegeben und ist nicht zum Verkauf bestimmt.

 

 


Mailing-Gruppe und Fotos zur Berliner Tagung

Auf http://de.groups.yahoo.com/group/partizip/ hatte ich für die Teilnehmenden der Berliner Tagung 2001 eine mailing-gruppe eingerichtet.

 

 


Unsere Texte in der Broschüre des Ministeriums

 

Claudia Zinser und Fritz Letsch

 

Nur mit uns

 

Ein Partizipationskongress unter Beteiligung von Jugendlichen

 

"Nur mit uns" hieß die Forumtheater-Präsentation der beteiligungsaktiven Jugendlichen in der Startphase des Kongresses. Meinungen, Ideen und Forderungen der Jugendlichen zum Thema Partizipation an institutionellen und politischen Entscheidungen konnten hier in Szene gesetzt und dem Fachpublikum vorgestellt werden.

 

Doch nicht nur für die Präsentation sollte dieses Motto gelten, sondern für den gesamten Kongress.

 

In diesem Rückblick möchten wir beleuchten, unter welchen Rahmenbedingungen die Beteiligung der Jugendlichen stattfand, an welchen Punkten sie erfolgreich war und wo sie kritisch zu überdenken ist. Drei Tage lang haben wir gemeinsam die 32 Jugendlichen auf den Kongress vorbereitet und sie in dessen Verlauf begleitet. Der Rückblick enthält Zitate von Jugendlichen und wird ergänzt durch fünf Erfahrungsberichte, die mit ihrem Einverständnis namentlich abgedruckt werden.

 

Idee und Anspruch

 

Die Fachtagung war ursprünglich für erwachsene Partizipations-Expertinnen/Experten aus Praxis, Politik und Wissenschaft konzipiert und sollte die Ergebnisse des DJI-Forschungsprojekts "Modelle gesellschaftlicher Beteiligung von Kindern und Jugendlichen" einer breiten Fachöffentlichkeit zugänglich machen.

 

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das den Kongress in Auftrag gegeben hat, war der Meinung: So ein Ereignis kann nicht ohne die Personen stattfinden, denen die Forschung galt – die Kinder und Jugendlichen, die in Beteiligungsmodellen aktiv sind.

 

Ja, da ist was dran – aber: Was sollen Kinder und Jugendliche auf einer Fachtagung für Erwachsene, wo es um Forschungsergebnisse und Fachdiskussionen geht? Sich langweilen? Eine nette Fotokulisse darstellen? Nein, so war es nicht gedacht.

 

Natürlich sind Kinder und Jugendliche Expertinnen/Experten ihrer Lebenswelten und damit auch wichtige Gesprächspartnerinnen/-partner - aber in welchem Rahmen und mit welchem Ziel?

 

In dem veränderten Konzept sollten sie auf der Fachtagung zu Wort kommen, ihre eigenen Erfahrungen darstellen, mit den Erwachsenen ins Gespräch kommen, Forderungen formulieren, Gehör finden und am besten auch Verbündete für ihre Anliegen. Ein hoher Anspruch, den wir aber einem Fachpublikum, das sich mit Partizipation auskennt, zumuten wollten. Allerdings ist dazu von Seiten der Beteiligten ein gewisses Alter, etwas Lebens- und Partizipationserfahrung notwendig. Die untere Altersgrenze wurde daher auf 15 Jahre festgelegt, die Obergrenze sollte bei 18 Jahren liegen.

 

Ministerium und Projektmitarbeiterinnen waren sich einig, dass es nicht sinnvoll ist, Jugendliche ohne jede Einführung und Vorbereitung auf den Kongress zu holen, denn die Erwartungen an die jungen Leute waren hoch: Sie sollten dort aktiv an den Diskussionen der Foren und Arbeitskreise teilnehmen, einen eigenen Programmpunkt übernehmen und vier Vertreterinnen/Vertreter in die abschließende Podiumsdiskussion mit Politikerinnen/Politikern schicken. In einem dreitägigen Vorbereitungsseminar konnten sie sich auf diese Aufgaben vorbereiten.

 

Um nicht nur auf Sprache als Ausdrucksform festgelegt zu sein und nur den Sprachgewandten das Wort zu geben, wurde ein Workshop konzipiert, der den Jugendlichen Zugang zu einer kreativen und publikumswirksamen Methode ermöglichen sollte: dem Forumtheater.

 

Idee und Hintergrund des Forumtheaters

 

Das Forumtheater ist die zentrale Methode in einem sehr umfangreichen Kanon von theaterpädagogischen Spielen und Übungen, die Theater für Kommunikation erschließen. Augusto Boal entwickelte diese Methode unter dem Titel "Teatro Oprimido" (Theater der Unterdrückten) seit den sechziger Jahren zuerst in südamerikanischen Ländern, dann in den siebziger Jahren im europäischen Exil. Sein Volkstheater war ursprünglich sehr von Brecht inspiriert, dem er auf der Suche nach neuen dialogischen Formen im Theater folgte.

 

In einer Forumtheater-Szene wird eine Situation, die als Druck oder Unrecht empfunden wird, bis zu dem Punkt gespielt, an dem die Hauptperson in ihren Zielen scheitern. Dann eröffnet der Joker (eine Spielleiterin/ein Spielleiter) dem Publikum die Möglichkeit, die Situation in anderer Weise zu Ende zu spielen. Mehrere Vorschläge werden gesammelt, um verschiedene Reaktionsweisen auf das Unrecht zu erproben.

 

Der Titel "Theater der Unterdrückten" nimmt auch Bezug zu Augusto Boals pädagogischem Vorbild Paulo Freire, der mit der Pädagogik der Unterdrückten eine Grundlage für Alphabetisierung und Bewusstseinsbildung durch befreiende Pädagogik zuerst für Brasilien, dann über den Weltkirchenrat für viele afrikanische Länder schuf. Beide sind inzwischen durch viele Doktortitel und vor allem durch die UNESCO geehrt und haben mit ihren Methoden in vielen Ländern Eingang in die allgemeine Pädagogik gefunden.

 

Woher nehmen wir die Jugendlichen?

 

Partizipation von Jugendlichen am Partizipationskongress. Eine schöne Idee, aber wo finden wir die engagierten Jugendlichen? Und: Wie kann die breite Beteiligungspalette in Deutschland repräsentiert werden?

 

Nein, in strengem Sinn repräsentativ, das kann gar nicht gelingen. Aber eine möglichst bunte Mischung von jungen Frauen und Männern aus Großstädten und Dörfern, aus allen 16 Bundesländern, aus den unterschiedlichsten Beteiligungsformen (z.B. aus Medienprojekten, Jugendparlamenten, Schülervertretungen) und Lebensbereichen wie Schule, Kommune, Verbände und Medien sollte schon gefunden werden.

 

Gute Kontakte zu den verschiedenen Beteiligungsszenen und intensive Recherchen waren notwendig, um interessierte Aktive ausfindig zu machen. Nun galt es, mit diversen Infobriefen und E-Mail-Aktionen zum einen die Jugendlichen für die Teilnahme an Kongress und Vorbereitungsseminar zu gewinnen, zum anderen den Eltern Sicherheit zu geben, dass diese während der fünf Tage in Berlin gut aufgehoben sein würden und von ihren Erlebnissen profitieren könnten, und zum Dritten die Arbeitgeber und Schulleitungen von der Bedeutung dieses Engagements und einer entsprechenden Freistellung zu überzeugen.

 

Eine Woche vor der Tagung war es dann geschafft. Die letzte Anmeldung lag auf dem Tisch und die angestrebte ""bunte Mischung" war gut geglückt:

 

Die Jugendlichen, 15 junge Frauen und 17 junge Männer, kamen aus 15 Bundesländern. Stadt und Land waren gleichermaßen vertreten: 10 Personen aus einer Großstadt, 9 aus einer Mittel- und 13 Jugendliche aus einer Kleinstadt.

 

Die Mischung der Beteiligungsbereiche war am schwierigsten und zeigte die größten Schwankungen: 13 Teilnehmerinnen/Teilnehmer sind in kommunalen Beteiligungsmodellen aktiv, 11 in der Schule, vier Jugendliche kamen aus dem Medienbereich und zwei aus den Jugendverbänden. Zwei Jugendliche organisieren Angebote in der Jugendarbeit und eine ist auf bundes- und europäischer Ebene politisch tätig.

 

Altersmäßig stellten die 16-Jährigen mit 13 Personen (7 weiblich und 6 männlich) und die 17-Jährigen mit 11 Personen (3 weiblich und 8 männlich) die Mehrheit dar. Eine Frau und ein Mann waren gerade 18 geworden. Und immerhin 6 Jugendliche im Alter von 15 Jahren (4 weiblich und 2 männlich) nahmen das Wagnis auf sich, alleine nach Berlin zu reisen und dort vor den älteren Jugendlichen und den Erwachsenen ihre Meinung zu vertreten.

 

Ausgerüstet mit der Adresse des Jugendhotels und einem Stadtplan machten sie sich auf den Weg zum Vorbereitungsseminar, das drei Tage vor dem Kongress begann.

 

Der Vorbereitungs-Workshop

 

Unser Quartier im Berliner Osten – das Hotel am Tierpark im Stadtteil Lichtenberg – bot einen ansprechenden Rahmen und ausreichend Platz für Plenumsveranstaltungen und Theateraktionen. Der erste Abend diente dem Kennenlernen der Gruppe sowie dem thematischen und methodischen Einstieg.

 

In der ausführlichen Vorstellungsrunde wurden Informationen über die eigene Mitarbeit in den verschiedenen Beteiligungsmodellen und -bereichen, über Städte und Bundesländer, Hobbies etc. ausgetauscht. Über die Theatermethoden (s. Kasten) erarbeiteten wir die eigenen Themen der Teilnehmerinnen/Teilnehmer zur Tagung: Wo sehen wir Konflikte in unseren Projekten? Wo brauchen wir Unterstützung? Wo fühlen wir uns unter Druck?

 

Methode und Szenenerarbeitung

 

Zu Beginn stehen wir im Kreis, nehmen unsere Füße am Boden wahr, die Bewegungsmöglichkeit des einen Fußknöchels, der zweiten Seite ... die Knie, Becken, Rückgrat, Schultern, Brustkorb, Hals, Zunge, Stimme, Gesicht, Augen ... jeweils mit kleinen Ausdrucksübungen und Geschichten, die "ankern" können, Erinnerungen wecken.

 

Die erste Partnerübung wird zu zweit durchgeführt und lässt Grenzen im Bewegungsradius erkennen: Eine Hand führt (auf Abstand) das Gesicht der PartnerIn/des Partners. Welchen Vorgaben ist sie/er bereit zu folgen?

 

Die gleiche Übung auch noch zu dritt, mit anderen Partnern: Frage der Machtgefühle und Verantwortung.

 

Davon geht es in die weiteren Schritte des Statuen-Baus: Eine Person ""nehmen"", zur Statue ""einfrieren"", dann formen, Spannungsbögen im Körper entdecken und betonen, das Gesicht ""in einem Spiegel"" zeigen, die Augen (mit zwei Fingern) auf einen Punkt ausrichten, einen Satz, ein Wort oder einen Ton geben, ... und fertig ist die erste Galerie, die von den Bildhauerinnen/Bildhauern betrachtet werden kann.

Diese sollen dabei eine Haltung zu den Statuen und ihren Äußerungen einnehmen und reagieren.

 

Die Statuen können schon zu einem Thema gestellt werden, aus den geformten Bildern werden die generativen Themen der Teilnehmenden gesammelt: Was ist für mich an diesem Thema mit Druck beladen, was möchte ich ändern, was hat mich geärgert ...?

 

Die Bilder können auch schon mit ersten Methoden analysiert werden: ""Stimmenhören"" und ""Gedankenlesen"" fordert die Gruppe zu allen möglichen und unmöglichen Interpretationen heraus, die wild durcheinander geäußert werden können, damit nicht zu viel Zensur sie zurückhält.

 

Die nächste Statuen-Reihe kann dann schon zum Thema Konflikt, nun wieder in Dreier-Gruppen, gebaut werden: Zum Thema passend, werden durch eine Regisseurin/ein Regisseur zwei Statuen so zueinander gestellt, dass sie, wie maschinell, im Höhepunkt des Konfliktes bleiben und ihre Sätze wiederholen.

 

Aus diesem Kern-Stück (Nucleo) können wir dann schon (in größeren Gruppen) die Forum-Szenen entwickeln: Wie kam es zu dieser Haltung, wie sieht die Vorgeschichte in mehreren Schritten aus? Sind wir am Höhepunkt und ""Fall"" der Geschichte?

 

Die Dramatik des Forumtheaters gibt dem Publikum die Möglichkeit, die unterdrückte Hauptperson kennen und lieben zu lernen, bis sie dann in ihrem Bemühen scheitert: Dann ist die Zeit des Jokers, eines Spielleiters, gekommen, der das Publikum zur Veränderung der Szene herausfordert und ermutigt.

 

Damit die Szene auch sicher, ansprechend und wiederholbar wird, benutzen wir einige Probetechniken, wie das "Spielen als Tiere", "Stopp, was denkst du?".

 

Und dann geht es schon beinahe auf die Bühne: Aufwärmübungen erinnern noch mal an die erste Runde der Ausdrucksübungen, große Bewegungen, die geübte Stimme und der gemeinsame Rhythmus geben uns Sicherheit.

 

Wenn dann aus dem Publikum jemand kommt und eine Veränderung spielt, werden sich die "Unterdrücker" entscheiden, ob sie sich davon beeindrucken lassen und ihre alte Haltung aufgeben. Wenn nicht, gibt es ein neues Spiel ...

 

Der zweite Seminartag galt sowohl der Szenenerarbeitung für die Forumtheater-Präsentation als auch der inhaltlichen Vorbereitung auf die Beteiligung der Jugendlichen an den thematischen Fachforen und den Arbeitskreisen zu den Praxisfeldern.

 

Die gewünschte breit gefächerte Zusammensetzung der Jugendlichen erwies sich als bereichernd, aber ebenso als anstrengende Herausforderung sowohl für die Jugendlichen selbst als auch für die Seminarleitung.

 

Der Grad an benötigter Hintergrundinformation zu den Themen in den Foren und Arbeitskreisen war sehr unterschiedlich, ebenso wie der Bedarf und der Wunsch, Partizipationsprobleme auszudiskutieren oder sich auf neue Methoden einzulassen.

 

Ansprüche und Wünsche an die Seminarinhalte bzw. -methoden und an die Freizeitgestaltung sowie die Kompetenzen, sich anregend in den Gruppenprozess einzubringen, divergierten zum Teil erheblich und führten zu einigen Konflikten innerhalb der Gruppe und mit uns.

 

Dazu Benjamin Rabenstein, 17 Jahre, in einem E-Mail-Feedback an alle:

"Ich bin der Meinung, dass die "Anleitenden" (nochmals DANKE Claudia und Fritz) mehr hätten leiten sollen, also z.B. lähmende Methodendiskussionen durch besseres oder nochmaliges Erklären beenden oder klarstellen.

 

Oder Besprechungen nicht von irgendeinem Teilnehmer (wann er Lust hat) beenden zu lassen, sondern diese wichtigen Besprechungen zu Ende zu führen, auch wenn nicht mehr alle so große Lust haben. Ich glaube, dass in einer doch so relativ großen Gruppe jeder einsehen sollte, dass er nun mal nicht immer machen kann, was er will, sondern auf die anderen Rücksicht nehmen muss und dann eben auch mal eine Besprechung "durchhalten" muss und nicht einfach gehen kann ...

 

Nun ja, und weil wir uns nicht genug verständigen und auf die Methoden einstellen konnten, haben wir eben unterschiedliche Erwartungen und Wünsche gehabt, die nicht ganz zusammen zu kriegen waren. Und deshalb gab es dann auch die eine oder andere Enttäuschung oder Zoff, der vielleicht auch zu vermeiden gewesen wäre!"

 

Unsere Vorentscheidung für das Forumtheater als Möglichkeit, die kritischen Seiten der Partizipation auf kreative Art in den Kongress einzubringen, stieß zum Teil auf Widerspruch, der sich weniger auf die Form als auf die Art der Entscheidung bezog.

 

Als eine Hauptkritik wurde uns vermittelt: Wieso wurden weder der Workshop noch der Kongress in Zusammenarbeit mit Jugendlichen vorbereitet?

 

Der fehlende Einfluss auf die Kongresskonzeption und die Workshop-Methoden sowie die Vorbereitung auf eine Vielzahl von Arbeitsaufträgen während der Tagung verärgerte die Jugendlichen. Zurecht – denn eine gemeinsame Vorbereitung des Kongresses mit den Jugendlichen war nicht vorgesehen gewesen, doch die Erwartungen an sie waren sehr hoch.

 

Eines unserer Hauptprobleme an diesem Wochenende war die gebotene Eile. Mit mehr Zeit wären produktivere Aushandlungsprozesse, die umfassenden Aufgaben - Kennenlernen der Forumtheater-Methode, Entwicklung verschiedener Szenen und Beiträge, Vorbereitung auf die Foren und Arbeitsgruppen sowie Mitgestaltung der Räumlichkeiten - entspannter zu bewältigen, möglich gewesen.

 

So bewegten wir uns ständig an der Überforderungsgrenze sowohl der Jugendlichen als auch der Seminarleitung. Dazu schrieb Jona Hölderle, 18 Jahre, im Anschluss an den Kongress:

 

"Aus meiner Erfahrung klappen Seminare mit engagierten Jugendlichen am besten, wenn man vorher das Programm durchgeht und schaut, ob der von den Moderatoren eingeschlagene Weg der beste und gewollte Weg zum Ziel ist und sich anschließend Gedanken über die gemeinsame Strukturierung der Zeit macht."

 

Er schränkte allerdings ein:

"Es ist natürlich sehr schwierig, vorher eine Planung zu machen und die dann vollständig zur Diskussion zu stellen, in diesem Fall mit Fritz als "extra Theatermensch" geradezu unmöglich."

 

Trotz all dieser Hindernisse und Konflikte – oder gerade deshalb? – wuchs die Gruppe schnell und intensiv zusammen und erprobte sich gleichermaßen im Forumtheater wie im nächtlichen Erobern von Berlin. Die "Verlockungen der Hauptstadt" standen manchmal im Konflikt mit dem harten Arbeitsprogramm des Folgetages und beeinflussten die Konzentration und Produktivität der Gruppe, was dann leider wieder auf Kosten von gemeinsamer Freizeitgestaltung ging.

 

Ein echtes Dilemma, denn wir hatten durchaus ein Interesse daran, dass die Jugendlichen Berliner Luft "schnuppern" können, auch wenn die Aufsicht über 30 junge Leute dem berühmten Hüten des "Sacks voller Flöhe" glich. Gelobt sei das Handy – und die recht schnell eingespielte Ab- und Rückmeldung der Jugendlichen!

 

Aus der Aufgabe, kritische Beteiligungssituationen szenisch so umzusetzen, dass die Erwachsenen angeregt werden, ihre Veränderungsvorschläge spielerisch einzubringen, entwickelten sich etwa zehn Vorschläge, von denen schließlich fünf Szenen zur weiteren Bearbeitung ausgesucht wurden.

 

Kurze Beschreibung der erarbeiteten Szenen

 

Aus dem Bau der Statuen fanden sich thematische Gruppen, die aus ihrem Schwerpunkt eine Forum-Szene für die Präsentation entwickelten.

 

Nach der gegenseitigen Vorstellung kristallisierten sich fünf Stücke heraus, die dann in der Tagung auch aufgeführt wurden:

 

Die Einstiegsszene

 

Jugendliche laufen durch die Flure hinter einem Jugendfunktionär her und versuchen, mit ihm Vereinbarungen zu treffen. Er ist aber zu beschäftigt und zu wichtig und gerät wild mit seinem Handy telefonierend auf der Bühne.

 

Die Bürgermeisterin vertröstet

 

Einige Jugendliche haben sich einen Termin bei der Bürgermeisterin geben lassen, die ihnen aber nur ihre Finanzprobleme erläutert und sie auffordert, doch in etwa zwei Jahren wiederzukommen.

 

Der Generationenwechsel im Jugendtreff

 

Jugendliche starten die Idee der Einrichtung eines Jugendtreffs, aber alle Entscheidungen auf politischer Ebene benötigen "sooo" viel Zeit. Somit kommt es immer wieder zum Wechsel der Mitarbeitenden. Wenn diese z.B. zum Studium den Ort verlassen, müssen die Pläne plötzlich durch Neue vertreten werden.

 

Gespräch mit dem Schulleiter

 

Die Schüler suchen für ihr Beteiligungsprojekt nach einem Raum, in dem sie sich ungestört treffen können. Der Schulleiter argumentiert mit Raummangel und dem Bedarf der Lehrerschaft, die den gewünschten Ort mit einer Kaffeemaschine blockiert.

 

"Der Machthaber"

 

Jugendliche stellen dar, wie sie sich von Erwachsenen behandelt fühlen:

 

Gezeigt wird die Diskriminierung von Behinderten, Lesben und Minderjährigen. Während die Behinderten und die Lesben wenigstens rechtlich respektiert werden und der Machthaber sich kooperationsbereit zeigt, werden die Jugendlichen mit der Begründung, sie seien zu jung, zu unerfahren und sowieso noch "erziehungsbedürftig", sofort vertrieben.

 

Eine Gruppe von etwa zehn Jugendlichen fand die Inhalte der Szenen zu spontan gewählt und nicht genügend ausdiskutiert.

 

"Die Vorbereitung der Theaterstücke waren meiner Ansicht nach viel zu oberflächlich, so ging es nicht um Inhalte, mit denen man sich doch zuvor auseinandersetzen muss, sondern um Ideen, die mal so zwischendurch kamen. Das ist für mich alles zu sehr an der Oberfläche gekratzt, also Mist."

 

RCS, 18 Jahre

 

Sie sahen zum einen ihre Kritik an Beteiligungsformen und politischen Strukturen nicht ausreichend aufgearbeitet, zum anderen befürchteten sie, dass diese im Theaterspiel nicht ernsthaft genug von den Kongressteilnehmerinnen/-teilnehmer wahrgenommen würde.

 

Diese Zweifel und die Kritik daran, dass die Methode von Erwachsenen bereits im Vorfeld ausgesucht worden war, verschärfte sich durch Informationen aus einem parallel angesetzten Beteiligungsworkshop, bei dem die Gruppe die vorgeschlagene Form abgelehnt und eine vollständige Konzeptänderung durchgesetzt hatte.

 

Es gelang uns nicht, das Vertrauen der skeptischen Teilgruppe in die Theatermethode zu stärken, obwohl wir auf gute Praxiserfahrungen hinwiesen. Da jedoch gleichzeitig ein Großteil der Gruppe die Chancen nutzen wollte, die das Forumtheater im Gegensatz zum verbalen Statement mit sich bringt, wurde eine Kompromisslösung angestrebt.

 

Die "unzufriedenen" Jugendlichen entwickelten einen Alternativbeitrag, den sie der Gruppe als "Back-up-Lösung" anboten, falls das Forumtheater eine "Pleite" erleben und vom Publikum nicht angenommen würde.

 

"Die Themen- und Szenenvorbereitungen waren am Anfang etwas unklar, und Szenen an denen dann lange gearbeitet wurde, waren aus 5-Minuten-Überlegungen geboren. Aber gerade am Sonntag fand ein wunderschöner Gruppenprozess statt, obwohl halt leider nicht als ganze Gruppe."

 

Jona Hölderle, 18 Jahre

 

Die Generalprobe einen Tag vor Kongressbeginn war noch so sehr Baustelle, dass alle froh waren, eine Alternative an der Hand zu haben, obwohl das große Geheimnis, um welche Inhalte und Darstellungsform es sich genau handelte, von der "Back-up-Gruppe" nicht gelüftet wurde.

 

Die Gruppen, die Szenen entwickelt hatten, zeigten jedoch an diesem (eigentlich freien) Abend noch einen enormen Ehrgeiz, die dargestellten Situationen zuzuspitzen und an der jeweiligen Präsentation so lange zu feilen, bis diese anschaulich und wiederholbar war.

 

Die Erfahrungen mit dem Bundeskongress

 

Die Nervosität zu Beginn des Kongresses war dann doch recht groß, denn der Auftritt der Jugendlichen sollte direkt nach den Einführungen von Prof. Dr. Ingo Richter und Bundesministerin Dr. Christine Bergmann stattfinden.

 

Die Forumtheater-Präsentation kam beim Publikum sehr gut an. Die fünf Szenen zeigten pointiert die wichtigsten Konfliktpunkte, denen Jugendliche bei ihren Versuchen, sich zu beteiligen und Einfluss zu nehmen, ausgesetzt sind und wurden vom Publikum durchaus wiedererkannt.

 

Nachdem der erste Erwachsene den Mut hatte, spielerisch eine Szene zu verändern, war das Eis auch für die anderen gebrochen. Die Erwachsenen hatten die Aufgabe, in die Rolle der "Unterdrückten" - also z.B. der nicht ernst genommenen, abgespeisten Jugendlichen - zu schlüpfen und die Situation zu ihre Gunsten.

 

Allein bei der "Schulszene" wurde viermal ein neuer Anlauf genommen, den autoritären Direktor umzustimmen. Das Publikum und wir bekamen beinahe Mitleid mit Stefan in der Rolle des "bösen" Direktors, denn dieser kam zunehmend in Bedrängnis und musste tatsächlich sein Verhalten ändern.

 

Einige Erwachsene umschifften die Herausforderung, die "Unterdrückten" zu ersetzen; indem sie Zuflucht zu einer vertrauteren Rolle nahmen: die der außen stehenden, helfenden und beratenden Fachkraft.

 

Ein Kongressteilnehmer ließ es sich nicht nehmen, die Rolle der ewig vertröstenden Bürgermeisterin einzunehmen, obwohl das eigentlich nicht den Regeln des Forumtheaters entspricht. Es war ihm ein Anliegen zu zeigen, dass Bürgermeister auch anders agieren können. Ob er selbst zu dieser Berufsgruppe gehört, blieb sein Geheimnis.

 

Die gelungene Präsentation hatte nur einen Wermutstropfen: Die Gruppe mit dem "Back-up-Vorschlag" war nicht zum Zug gekommen. Für ihre Ideen und Inhalte war kein Raum mehr gegeben, was wir als Seminarleitung sehr schade fanden.

 

Auf jeden Fall sorgte die 45-minütige Forumtheater-Präsentation der Jugendlichen und die aktive Teilnahme einzelner Erwachsener für hohe Aufmerksamkeit und eine gelöste Stimmung im Publikum und bot intensiven Gesprächsstoff für die nächsten Pausen. Die Präsentation war ein voller Erfolg, auf den die Jugendlichen zurecht stolz seinkonnten.

 

"Bei unserem Beitrag, also dem Forumtheater, fand ich äußerst positiv überraschend, dass so viele Leute eingestiegen sind und ihre Ideen eingebracht haben."

 

Benjamin Rabenstein, 17 Jahre

 

"Das Forumtheater selbst ist für mich überraschend gut angekommen; sehr aufschlussreich auch über die Leute, die mitgespielt haben..."

 

Jona Hölderle, 18 Jahre

 

Friedrich Schorlemmer gelang es gut, seinen Vortrag mit der gelockerten Atmosphäre im Saal in Einklang zu bringen. Insbesondere seine Rhetorik wurde von den meisten Jugendlichen als brillant, wenn auch anspruchsvoll, benannt und hinterließ einen großen Eindruck.

 

Generell wurden die Referate sehr unterschiedlich bewertet, wobei alle Vorträge sowohl positive als auch negative Feedbacks auslösten. Die Bandbreite ging von "langweilig", "abgehoben", "von der Informationsflut erschlagen" bis hin zu "anregend" und "interessant".

 

Der "Absturz" der ausgezeichneten Stimmung kam leider mit den vier themenbezogenen Fachforen, zu denen die meisten Jugendlichen – und über alle vier Foren hinweg - folgende Kritikpunkte äußerten: Die Inputs waren schwer verständlich; die Zeit für eine anregende Diskussion zu kurz, deshalb kam es nur zu einem Austausch von Statements, nicht zu Ergebnissen; die Moderation hat die anwesenden Jugendlichen nicht genügend einbezogen.

 

Ähnliche Kritik gab es am nächsten Tag bei den Arbeitskreisen zu den Praxisbereichen, wobei diese nicht so durchgängig geäußert wurde. Ein gewisser Lernprozess hatte bei den z.T. ebenfalls unzufriedenen Erwachsenen anscheinend schon eingesetzt. Illustrierend für die Meinungen steht das Feedback von Jona Hölderle, 18 Jahre:

 

"Die Foren und Arbeitskreise fand ich das einzig wirklich Enttäuschende. Und zwar nicht mal vom Inhalt, da habe ich nicht allzuviel erwartet, auch nicht wegen des Umgangs Erwachsene – Jugendliche (den ich gut fand!), sondern einfach weil sie sehr unprofessionell waren.

 

Es scheint wohl nicht mal da möglich zu sein (vielleicht abgesehen vom Forum 3 Generationenverhältnis und der AG Jugendverband) Moderation und inhaltliches Statement voneinander zu trennen. Außerdem absolut nicht zielorientiert".

 

Aus solchen Äußerungen sprechen bei einem Teil der Jugendlichen Erfahrungen mit einem hohen Beteiligungsniveau und weitgehendem Selbst- und Mitbestimmungrecht, das einige Jugendverbände (wie z.B. manche Pfadfinderbünde), Gruppen wie die KinderRÄchTsZÄnker und auch einige kommunale Jugendparlamente entwickelt haben.

 

Andere wiederum kennen und benennen ihre sehr unterschiedlichen Erfahrungen zwischen totaler Entmündigung, netten Schein-Modellen und bedingten Mitsprache-Modellen, wie sie z.B. in der Schulbeteiligung in den einzelnen Bundesländern zu finden sind.

 

Die Erwachsenen präsentierten sich auf der Tagung ebenfalls in einer breiten Palette, wie von einigen Jugendlichen sofort kritisch bemerkt wurde: Die meisten Aversionen weckten Selbstdarstellerinnen/-darsteller sowohl in der Moderation als auch bei den Teilnehmenden. Auch Fürsorgende mit Bevormundungstendenzen und Berufsjugendliche kamen nicht so gut an.

 

Leider blieb die Abschlussdiskussion im Plenum für die Jugendlichen sehr unkonkret und führte zu Unzufriedenheit. Zwar zeigten die anwesenden Politikvertreter Verständnis für deren kritische Hinweise auf finanzielle Hürden, fehlende Vernetzung und mangelnde Bereitschaft der Entscheidungsträger, Verbesserungsvorschläge auch in angemessener Zeit umzusetzen, aber eine schnelle Lösung konnten auch sie nicht anbieten.

 

Dazu müssen die Forderungen auf den jeweils zuständigen politischen Ebenen verhandelt werden. Die Jugendlichen können also nur hoffen, dass die Anwesenden ihre Anregungen und Forderungen in die entsprechenden (Entscheidungs-)Strukturen weitertragen und dort unterstützen werden.

 

Unsere eigene Schlussrunde war gekennzeichnet von der Abreise derjenigen, die weite Wege hatten, und von der Abschiedsstimmung neu geschlossener Freundschaften. Die entstandene Unruhe erschwerte die Konzentration und eine gemeinsame Auswertung der Tage:

 

"Ich hätte gerne noch eine Gesamtauswertung des Kongresses mit allen vor Ort gemacht, aber das war ja leider aus zeitlichen Gründen nicht möglich (Verbesserung möglich?)."

 

Benjamin Rabenstein, 17 Jahre

 

"Dass man am Ende so einer Veranstaltung noch nicht mal eine Auswertung mit persönlicher Kritik einplant und jeden so wieder in seine Welt entlässt, unterstützt meinen [negativen] Eindruck. Wirklich schade, denn ich denke, dass da Menschen dabei waren, die mehr Kompetenzen haben, als sich ein paar schöne Tage in Berlin zu machen."

 

rc s, 18 Jahre

 

Der Forderung nach mehr Zeit für die Auswertung der gemeinsamen Arbeit und für die Reflexion der neuen (oder altbekannten) Erfahrungen können wir uns nur anschließen. Auch hätten wir gerne die Möglichkeit gehabt, gemeinsam mit den Jugendlichen den Erfolg zu feiern und die fünf intensiven Tage gemütlich ausklingen zu lassen.

 

Dem standen zusätzliche Kosten und ein weiterer Freistellungstag durch die Schulen und Arbeitgeber im Weg. So mussten wir uns leider auf eine kurze Schlussrunde und den anschließenden E-Mail-Austausch beschränken.

 

Fazit einiger Jugendlicher

 

Am Ende des Kongesses war bei einigen die "Ent-Täuschung" groß:

"Wenn wir uns hier in zwei Jahren in gleicher Besetzung wieder treffen, würden wir genau die gleichen Fragen diskutieren und nichts hätte sich verändert."

 

Anne Kleiber, 16 Jahre, im Verlauf der Abschlussdiskussion

 

"Unterm Strich waren die Tage für mich inhaltlich schwach und enttäuschend, aber vielleicht ist auch mein Anspruch zu hoch, keine Ahnung!"

 

rc s, 18 Jahre

 

Andere wiederum sehen das differenzierter:

 

"Man kann in solch einer kurzen Zeit und vor allem bei unterschiedlichen Auffassungen nicht zu einem Ergebnis kommen. Ein Kongress dient m.E. nach dazu, sich zu treffen und individuell Kontakte zu knüpfen und Gespräche zu führen. Wer mehr erwartet, wird immer enttäuscht sein, außer bei Zufällen."

 

Sabine Steldinger, 17 Jahre

 

"Im Ganzen gesehen, muss ich sagen, sehe ich die gesamte Aktion als sehr positiv für mich, denn ich habe einige interessante und liebe Leute kennen gelernt und viele Erfahrungen in bezug auf Umgang mit Zeit, Kommunikation, Arbeitsmoral, Zuverlässigkeit, Partizipation Jugendlicher in allen Bereichen, Umgang mit Gruppen und mit mir selber gemacht.

 

Nicht nur positive, aber wenn man aus seinen schlechten Erfahrungen auch was lernt, dann ist ja wohl jede Erfahrung positiv. In diesem Sinne: ich habe auf jeden Fall viel für mich mitgenommen und gelernt."

 

Benjamin Rabenstein, 17 Jahre

 

"Ich fand die gemeinsame Stimmung, bis auf allabendliche Auflösungserscheinungen sehr gut. Habe wie immer Leute kennen gelernt, mit denen ich weiterhin zu tun haben werde und welche, mit denen eher weniger. Mit der Gesamtveranstaltung war ich eigentlich recht zufrieden. Es war allerdings ein so genanntes Top-Down-Modell, und auch hier hätte es nichts geschadet, Jugendliche früher mit einzubeziehen."

 

Jona Hölderle, 18 Jahre

 

Fazit der Seminarleitung

 

Die Reize der Großstadt lenken ab

 

Die vielfältigen Unterhaltungsmöglichkeiten einer Stadt wie Berlin brachten auch Freizeitstress und Entscheidungsnot in die Gruppe, die sich gerade müde diskutiert hatte. Wie würde ein Vorbereitungsseminar oder gar eine Tagung in einer Kleinstadt wirken?

 

Ein Zuviel der Aufgaben überfordert alle Beteiligten

 

Eine Vielzahl verschiedener Aufgaben sollte in kürzester Zeit und mit vorzeigbaren Ergebnissen bewältigt werden. Das kann nur auf Kosten der Beteiligung gehen.

 

Darüber hinaus kann das Personal für die Vorbereitung von Jugendlichen nicht gleichzeitig inhaltlich und methodisch arbeiten, die Gruppendynamik wahrnehmen und organisatorische Verantwortung sowie die Aufsichtspflicht übernehmen. Eine bessere Ausstattung mit Personal ist somit dringend geboten, vor allem, wenn die Möglichkeit für Beteiligung und Veränderung gegeben sein soll.

 

Eile ist der Feind der Beteiligung

 

Die bunte Mischung der Jugendlichen bringt auch gruppendynamisch sehr verschiedenartige Anforderungen mit sich. Dafür - und für die Erarbeitung der Tagungsbeiträge - brauchen alle Beteiligten Zeit, Strukturen und Ruhe.

 

Ziele und Grenzen der Kongressplanung klar benennen

 

Das Wecken von zu hohen Erwartungen führt zwangsläufig zu "Ent-Täuschungen". Vor allem, wenn der Eindruck entsteht, dass die Teilnehmenden wirklich bei allemzu Wort kommen sollten.

 

Auswertung ist ebenso wichtig wie Vorbereitung

 

Die Reflexion, eine differenzierte Beurteilung und vor allem die Integration des Erlebten in das eigene Deutungsmuster - vor der Rückkehr in den Alltag - sind wichtige Bestandteile jeder Beteiligungsaktion und benötigen ebenfalls Raum und Zeit.

 

Für eine neue Planung ...

 

Kongresse sind Informationsveranstaltungen und bieten ein Austauschforum für Praxis und Wissenschaft – politische Entscheidungen werden auf ihnen in der Regel nicht gefällt, bestenfalls vorbereitet und angeschoben.

 

Modell 1: Erwachsene unter sich

 

Wäre es also nicht legitim, zum Thema Jugendbeteiligung eine reine Fach- und Erwachsenenveranstaltung zu machen?

 

Wenn man sich jedoch entschließt, eine Tagung unter Beteiligung von Jugendlichen zu veranstalten, muss den Veranstaltenden schon im Vorfeld klar sein, inwieweit sie die Jugendlichen mitwirken und mitbestimmen lassen wollen.

 

Modell 2: Jugendliche dürfen teilnehmen

 

Jugendliche nehmen an einer Fachtagung teil und erhalten die Möglichkeit, ihre Meinungen darzustellen. Unterstützend kann hierfür ein Vorbereitungsseminar wirken, jedoch: Im Widerspruch zu hoher aktueller "Beteiligung" der Jugendlichen steht der Wunsch der Veranstaltenden, möglichst viele Inhalte und Aufgaben der Tagung sicher festzulegen und zu delegieren.

 

Was wäre eine passende partizipative Struktur für die Jugendlichen in der Praxis eines Kongresses?

 

Modell 3: Jugendliche werden beteiligt

 

Die Antwort auf diese Frage lässt sich nur in einem gemeinsamen Prozess von Jugendlichen und Erwachsenen zur Konzipierung der Tagung finden. Das gilt gleichermaßen für die Inhalte der Tagung, die Methoden und die Umsetzung. Dazu sind ist ein längerer zeitlicher Vorlauf sowie eine breitere Finanzierung notwendig.

 

Nach einem ersten Treffen und Kennenlernen kann die weitere Vorbereitung per Internet und Postbetreuung erfolgen. In Internet-Gruppen können in kurzen Artikeln die Ideen und Erfahrungen der Jugendlichen und Erwachsenen ausgetauscht und für die Gestaltung z.B. der AGs und Foren sowie für die Moderationen erschlossen werden.

 

Die Tagungsbeiträge der Jugendlichen und Erwachsenen sowie die gemeinsame Moderation der Veranstaltung werden dann schrittweise konzipiert und abgestimmt.

 

Eine frühzeitig gemeinsam erstellte Liste von Erfolgskriterien kann einerseits die Rollen der Teilnehmenden und die Ziele der Tagung für die Einzelnen klären, andererseits als Gradmesser und differenzierende Hilfe für die Auswertungsrunde dienen.

 

Für die Dokumentation der Ergebnisse sind verschiedene Medien bereitzustellen, die es ermöglichen, Beiträge vorzubereiten und festzuhalten.

 

Die gemeinsame Vorbereitung kann auch zur Entwicklung einer "Tandemtagung" führen, bei der eine ausgewogene Anzahl von jugendlichen und erwachsenen Teilnehmenden in getrennten Arbeitsgruppen und gegebenenfalls mit unterschiedlichen Methoden am gleichen Thema arbeiten, um anschließend die Ergebnisse zusammenzuführen.

 

Modell 4: Jugendliche lassen Erwachsene teilnehmen

Utopie?

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Claudia Zinser und Fritz Letsch (Red.)

 

Erlebnisreiche Tage in Berlin

 

Für mich waren die Tage in Berlin echt toll. Ich konnte mich endlich mal außerhalb meines kleinen 370 Seelen-Heimatortes Balow beteiligen.

 

Mit den anderen Jugendlichen bin ich super klar gekommen. Zusammen mit einigen von ihnen Szenen einzuüben und auf dem Kongress vorzuspielen, hat viel Spaß gemacht, auch wenn es manchmal unnötige Auseinandersetzungen gab.

 

Die Stimmung am Wochenende und auf dem Kongress zwischen uns fand ich ziemlich harmonisch. Auch das Auftreten von Fritz und Claudia war super. Ich dachte zunächst, dass es bestimmt langweilig wird, wenn zwei "ältere" Leute uns was von Partizipation und so erzählen wollen, aber dann habe ich gemerkt, wie toll sie das eigentlich machen.

 

Noch besser hätte ich es gefunden, wenn wir konkreter über unsere Ziele auf dem Kongress oder Dinge, die wir dort erreichen können, geredet hätten. Dies ist allerdings das Einzige, was ich zu bemängeln habe.

 

Auf dem Kongress war ich gleich zu Anfang sehr überrascht, als Dr. Christine Bergmann Kinder aus Bangladesch mit den Einwohnern meines Heimatortes verglich und feststellte, dass wir in Sachen Beteiligung etwas gemeinsam haben. Auch wenn sie ihre Reden meist vorgeschrieben kriegt, so denke ich mir das jedenfalls, war es für mich schon etwas Besonderes solch lobende Worte aus dem Mund einer Ministerin zu hören.

 

Unsere Szenen zum Thema Partizipation, die wir mittels Forumtheater darstellten, sind - denke ich mal - gut angekommen. Die "Jugendhausszene", in der ich mitgespielt und eine ironische Bemerkung zur "schnellen" finanziellen Unterstützung gemacht habe, war wie die anderen auch aus dem Leben gegriffen, denn solche Entscheidungen dauern immer ewig.

 

Die Diskussionsforen waren meiner Meinung nach langweilig, weil "nur" diskutiert wurde (und das mit vielen Fachwörtern). Mir gefällt es besser, wenn man nach einer Diskussion zu einem Ergebnis kommt. Am interessantesten fand ich den Vortrag von Prof. Waldemar Stange. An dem Modellprojekt "Dorf für Kinder - Dorf für alle", welches er vorstellte, war auch mein Heimatort Balow beteiligt. Somit konnte ich vieles gut nachvollziehen, wovon er berichtete. Die Bilder, die er zeigte, ließen an manch tolle Aktionen zurückdenken.

 

Insgesamt denke ich, dass der Kongress gelungen ist. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein und super tolle Leute kennen gelernt zu haben, mit denen ich noch weiterhin Kontakt halte.

Nicole Harfenmeister, 16 Jahre

 

Ein Bayer in Berlin

 

Unsere Verklemmtheit bei dem ersten Kennenlernspiel wurde durch Fritz Letsch bald aufgelöst und dadurch, dass das Programm nicht gleich am ersten Tag los ging, war es nicht zu stressig für uns Jugendliche. Wir konnten uns auf die Situation einstellen, uns von der langen Fahrt erholen und auf vier coole Tage in Berlin freuen. Nachdem am ersten Tag die Frage geklärt war, wer auf dem Kongress in welches Forum und in welche Arbeitsgruppe gehen würde, genossen wir alle einen freien Abend in der Großstadtmetropole.

 

Obwohl das Wochenendprogramm zwar gut gestaltet war, verloren einige von uns Jugendlichen die Nerven, als manche Sitzungen bis in die Nacht dauerten. Das "frühe" Aufstehen - und dann gleich arbeitsbereit zu sein - war für uns Jugendliche das Hauptproblem.

 

Von der Tagung selber habe ich persönlich leider nicht profitieren können, da ich die Probleme, die in der Tagung angesprochen wurden, schon seit einigen Jahren in unserer Arbeit bei den Pfadfindern nicht mehr kenne. Ärgerlich war, dass Anregungen von meinen Stammesmitgliedern, die auch auf dem Kongress (im Forum 1) waren, und mir nicht angehört worden sind und gleich wieder überredet wurden.

 

Unsere Forumtheater-Stücke sind wunderbar angekommen. Und was das Beste war: Den Leuten hat es gefallen, und sie haben verstanden, was wir damit sagen wollten, zumindest die meisten. Auf gut deutsch: Die Arbeit hat sich gelohnt.

 

Was ich leider nicht so schön fand, dass sich alle auf einmal so verstreut haben und es keine wirklich, KOMPLETTE Schlussrunde gab.

 

Ich hab sehr viele, engagierte junge Menschen getroffen, die nur ein Ziel hatten: Die Jugend mitbestimmen zu lassen. Durch die Freizeit hab ich auch viel von Berlin gesehen, worüber ich überaus dankbar bin.

 

Stefan Mühler, 17 Jahre, Kontakt und Infos über die Arbeit des DPSG: ste.fun(at)gmx.de

 

"Demokratie hängt von den Möglichkeiten ab, sich zu beteiligen"

 

Viele junge Menschen haben sich immer wieder darüber geärgert, dass Erwachsene sie nicht ernst nehmen und ihre Ideen, auch wenn sie wirklich gut durchdacht sind, nicht wahrnehmen wollen. Es entsteht Frust, ein Gefühl von Minderwertigkeit und Machtlosigkeit. Biste nicht volljährig, biste nix wert? Nutz die Chance und sag das der Öffentlichkeit ins Gesicht!

 

Diesmal hatten sich die Veranstalter des Kongresses was ganz Besonderes ausgedacht: Zu einem Kongress über die Mitbestimmungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen in allen Bereichen tatsächlich mal Jugendliche einzuladen! Ich war eine der "Auserwählten" aus Berlin und fand diesen Kongress und das Vorbereitungsseminar recht informativ und interessant, wenn auch tierisch anstrengend - aber das war mir die Sache wert.

 

Wobei weniger die Vorträge und Foren als die persönlichen Diskussionen mit einigen Jugendlichen mir was Neues brachten. Aber es haben sich rückblickend einige Kontakte auch nach der Tagung ergeben. Erwähnt werden sollte noch, dass ich bei einem Jugendprojekt, den KinderRÄchTsZÄnkern (www.kraetzae.de) mitmache, das zur Zeit ziemlich gefragt ist, wenn es um grundlegende Fragen im Bereich Schule, Familie und politischer Mitbestimmung geht.

 

Die Vorbereitung

 

Wir übten unter der Leitung von Fritz Letsch aus München eine Theaterform ein, die "Forumtheater" heißt, und auf dem Kongress sehr erfolgreich war. Bei diesem "Forumtheater" ging’s darum, Probleme möglichst realitätsnah darzustellen und dann das Publikum aufzufordern, sich an die Stelle des "Unterdrückten" hinein zu begeben und eine Problemlösung zu finden.

 

Auch hatten wir die Genehmigung, das Treppenhaus der Akademie zu gestalten und machten ein Projekt, wo wir Fragen auf bunte Plakate malten, welche die Besucher zum Nachdenken anregen und an ihre Jugendzeit erinnern sollten z.B. "Fandest du es geil, bevormundet zu werden?" oder "Warst du damals mit der Politik zufrieden?" oder "Wie verstandest du dich mit deinen Eltern?".

 

Ich hätte es besser gefunden, wenn hierfür mehr Raum für Verständigung und Diskussionen der Jugendlichen untereinander gewesen wäre. Auch das Aufdrücken eines (von Erwachsenen) festgelegten Ablaufplans bei einem Seminar halte ich für riskant, weil es hier schließlich darum geht, dass die Jugendlichen lernen ihre Forderungen und Kommunikations- bzw. Aktionsformen selbst zu organisieren und zu entwickeln.

 

Das ist sicherlich schwierig, aber dennoch wichtig und sinnvoll, wenn man es ernst mit Partizipation meint. Erwachsene sollten lediglich mit Rat zur Seite stehen und einen Rahmen schaffen, der es ermöglicht, in Bereiche einzugreifen, in die man als Jugendlicher normalerweise keinen Zugang hat (aus welchen Gründen auch immer). Ein anderes Argument dafür ist auch die auf dem Kongress als wichtigen Bestandteil herausgearbeitete "Vernetzung", die etwas Zeit zur persönlichen Kontaktaufnahme benötigt.

 

Der Kongress

 

Die Moderatorin Gabriele Schafarik fand ich richtig gut, und sie unterhielt sich auch schon vorher viel mit uns. Ihr Hauptanliegen sei es, diese Veranstaltung nicht zu einer Alibi-Veranstaltung verkommen zu lassen, wo Politik so tut, als wäre sie jugendfreundlich.

 

Die Anfangsvorträge hielten Prof. Dr. Ingo Richter (Deutsches Jugendinstitut) und Dr. Christine Bergmann (Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Herr Richter hob hervor, dass Beteiligung auch die Qualität von politischen Beschlüssen hebe (da eine breitere Mehrheit dahinter steht), eine "Demokratisierung des Alltags" notwendig sei und dass Kinder daher als ernst zu nehmende Subjekte anerkannt werden sollen.

 

Christine Bergmann appellierte an ein "offenes Ohr", für mehr "Transparenz auch für Jugendliche" , erzählte von Beteiligungsprojekten in Balow und in Bangladesch und ihr Fazit war: "Demokratische Mitbestimmung von Kindern ist zwar ein langer Weg, doch dieser lohnt sich nicht nur, sondern ist auch notwendig!"

 

Der Mund blieb mir offen stehen, als ich die Rede von dem Theologen und Publizisten Friedrich Schorlemmer vernahm. Der Mann hat es rhetorisch einfach drauf und schmiss mit Wortspielen und Zitaten nur so um sich (und konnte alle wach halten!).

 

Er meinte man solle "Fluchen produktiv machen", jedoch aufpassen, dass "die Starken nicht die Schwachen verschrecken", appellierte daran, jede Altersstufe zu respektieren und zu akzeptieren, sagte "wer von Kindern früh verlangt, vernünftig zu sein, hat später ganz unvernünftige Erwachsene" und bezeichnete Erwachsene als desillusioniert und stellte Kinder auf der anderen Seite als Utopisten dar, denen man zwar zuhören soll, aber sie auch nicht zu wörtlich nehmen sollte ("Gratwanderung zwischen Illusion und Realität").

 

Er bewertete Regeln und Hierarchien als sicherheitsgebend, wenn sie nicht zu Dogmen ausarten und forderte eine gesunde Mischung aus Basisdemokratie und repräsentativer Demokratie.

 

Insgesamt würde ich mich gerne über seine Aussagen streiten (hab Widersprüche entdeckt), aber seine Ausdrucksweise muss man mal erlebt haben. Insgesamt hätte ich mir mehr Diskussion auch mit den Referenten gewünscht. Aber das war in diesem engen Rahmen vermutlich kaum möglich.

 

Ich fand es auch komisch, dass sich die "Erwachsenen" untereinander unterhielten, aber ich selten angesprochen wurde, obwohl ich mich sehr häufig zu Wort gemeldet habe und einigen daher aufgefallen (egal ob positiv oder negativ) sein muss. Ich weiß nicht, wieso ich fast immer davon ausgehe, dass ich angesprochen werden müsse, hier heißt es Aufklärungsarbeit über Rollenklischees leisten!

 

Im Forum 2 konnte ich zuerst einem Referenten lauschen, anschließend konnte jeder den anderen Zuhörern das eigene Statement um die Ohren zu hauen. Zum einen hab ich nicht kapiert, was der Referent meinte, zum anderen musste ich mich konsequent zu Wort melden, um mal was sagen zu können.

 

Zu einer wirklichen Diskussion war zu wenig Zeit. Ich fand das nicht so gut organisiert. Ich frag mich, ob Erwachsene solche Diskussionen auch immer eher langweilig und nervenaufreibend finden, und warum sie nicht andere Formen suchen, wenn sie das wissen. Schon die Atmosphäre erinnert mehr an Schule als an angeregten geistigen Austausch.

 

Die AG Schule

 

Am folgendem Tag nahm ich an der AG Schule teil. Der Raum war schön und großzügig, hier war eine bessere Atmosphäre!

 

Dr. Heide-Rose Brückner vom Deutschen Kinderhilfswerk hielt ein sehr schönes Referat, das mit der - ihrer Argumentation nach - guten Rechtsstellung von Kindern (sie meint die UN-Kinderrechtskonventionen nach der Kinder als Subjekte anerkannt werden), welche aber hartnäckig ignoriert werde, begann.

 

"Schule schwebt wie ein Satellit im Orbit" verbildlichte sie und kritisierte die Schülerselbstverwaltungen (SVen) als Legitimationsveranstaltungen, forderte Mitbestimmung statt Beteiligung und betonte, dass Beteiligung nur dann Sinn mache, wenn man die jungen Leute in kleinen und großen Dingen mitentscheiden lässt (Verantwortung stärkt das Selbstvertrauen und gibt Stolz) und eine schulische Freiwilligkeit gegeben ist.

 

Auch ein Hindernis für Beteiligung in der Schule sei, so Brückner, das autoritäre Lehrer-Schüler-Verhältnis und stellte somit die innere Struktur der Schule als eigentliches Hindernis heraus.

 

Anwesende Jugendliche wurden gleich von Anfang an mit einbezogen, indem wir u. a. um ein Statement gebeten wurden. Ich konnte mich gut an Fr. Brückners Vortrag anschließen, und es lief eine ziemlich gute Diskussion. Auch die Nichtanerkennung der LSVen (= Landesschülerinnen/-schülervertretung)in Bayern und Berlin sowie die nicht offizielle Anerkennung der BSV (= Bundesschülerinnen/-schülervertretung) wurde hier angeprangert. Inzwischen sind sie übrigens anerkannt!

 

Die Vorträge, die sonst noch stattfanden, befassten sich mit den Fragen: "Was ist Jugendlichen wichtig?", "Wie mit Jugendbeteiligung umgehen?" und "Welche Möglichkeiten schaffen?". Auch hier finde ich es wichtig, sich solche Fragen direkt von den Betroffenen beantworten zu lassen und ihnen Raum zu lassen, zu überlegen, was sie wollen, anstatt die Entscheidung bei den Erwachsenen zu belassen.

 

Um ähnliche Fragen ging es auch in der Abschlussdiskussion, wo eine schöne Diskussion im Publikum entbrannte. Ich schaffte es, häufig meine kritische Meinung loszuwerden (wobei mal wieder viel zu wenig Zeit war). Ich hatte auch plötzlich das Gefühl, erstaunlich positives Feedback von den anderen Jugendlichen zu bekommen, was vorher eher nicht der Fall war, vermutlich weil meine Meinung vielen zu radikal erschien.

 

Das Experiment

 

Es ist auf der einen Seite lustig, aber auf der anderen auch wieder frustrierend, wenn man von Erwachsenen mitbekommt, wie sie über das fremde Wesen "Kind" so rumphilosphieren, anstatt sich auf ihre normale Menschenkenntnis zu verlassen, und man direkt daneben sitzt und sich vorkommt wie ein Alien. Bei der Abschlussdiskussion sagte eine von uns, dass sie persönlich es nicht als "Experiment" betrachte, sich mit Erwachsenen über wissenschaftliche Themen zu unterhalten.

 

Als ob diese Leute nie selbst jung gewesen wären! Als ob Jungsein so etwas anderes wäre als Erwachsensein! Unterschiedliche Erfahrungen und Fähigkeiten haben die Menschen doch ohnehin. Gleichberechtigte Kommunikation ist mein Lösungsvorschlag.

 

Insgesamt würde ich aber eine positive Bilanz ziehen, da schon durch die teilweise gegebene Einbeziehung in den Kongress ein zaghafter Tapser in die demokratische Richtung getan wurde. Ich habe den Eindruck, dass man wenigstens daran arbeitet, Jugendliche ernster zu nehmen und ihnen eine direktere Mitbestimmung zu ermöglichen. Der letzte, elementarste und logischste Schritt - neben Parlamenten, mehr Basisdemokratie und SV-Anerkennungen - wäre für mich allerdings, die Altersbegrenzung beim Wählen abzuschaffen.

 

Also Leute: mischt euch ein und seid nicht bescheiden!!!

Sabine Steldinger, damals 17 Jahre alt, jetzt vollwertig, i-mehl: kraetzae(at)kraetzae.de (Betreff: an Bine)

 

Wo Jugendliche was zu sagen haben...

 

Eingeladen zum Workshop-Wochenende vom 09. bis 11. November 2001 und damit auch zum anschließenden Bundeskongress am 12. und 13.November 2001 waren 32 Jugendliche aus allen Bundesländern.

Die Jugendlichen sollten den Bereich, in dem sie Erfahrungen mit Beteiligung haben (wie z.B. Schule, Kommune, Medien, Verband) vertreten sowie auftretende Konfliktsituationen aus der Arbeit schildern, bereit sein, darüber zu diskutieren und diese dann auf dem Bundeskongress den Erwachsenen zu präsentieren, um anschließend mit ihnen nach Lösungen zu suchen, eventuell auch zu finden und mögliche Ursachen zu beseitigen.

 

Wir lernten, einander mithilfe von Ausdruck, Mimik und Gestik zu formen, um somit Übereinstimmungen von Konfliktsituationen aus unterschiedlichen Bereichen darzustellen, die wir vorher in Kleingruppen erarbeitet haben. Die Methode des Forumtheaters, Konfliktsituationen auf einer Bühne nachzustellen, um dem Publikum die Möglichkeit zu geben, an bestimmten Stellen einzugreifen, nachgestellte Situationen an entscheidenden Stellen zu verändern, war für alle Jugendlichen zunächst neu, jedoch war der Einstieg schnell geschafft.

 

Am Samstag einigten wir uns dann auf vier verschiedene Kurztheaterstücke, die wir dann bis zur Vollkommenheit mit dem Theaterprofi Fritz Letsch, der uns mit Rat und Tat zurseite stand, übten. Am Sonntag stand die Besichtigung des Kongressgebäudes auf dem Programm. Anschließend erfolgte die letzte Probe auf der Theaterbühne.

 

Dann wurde aus jeder Arbeitsgruppe ein Teilnehmer bestimmt, der am letzten Tag des Kongresses an einer Podiumsdiskussion mit eingeladenen Politikern teilnehmen sollte.

 

Die Konsequenzen des Kongresses sind so kurz danach weder spürbar, noch werden sie unmittelbare Auswirkungen auf die "Alltagspolitik" von morgen haben. Mir ist aufgefallen, dass viele Erwachsene und Politiker erstaunt waren über unsere Sichtweise zu Problemen in unterschiedlichsten Bereichen und sofort ihre Unterstützung zusagten, in bezug auf Vereinfachung noch bestehender Regeln zum Umgang mit Partizipationsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche.

 

In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass an dem Kongress nur vereinzelte Politiker anwesend waren, die in der nächsten Zeit in dieser Richtung etwas bewirken können.

 

Sie nahmen am Kongress teil, um sich anzuhören, was die Jugendlichen zu sagen hatten und welche Fortschritte es im Bezug auf Partizipationsmöglichkeiten Jugendlicher gegeben hat. Bedauerlich war es, dass nur Politiker erschienen waren, die schon von dem Konzept der Partizipation überzeugt waren, so dass wir bei ihnen keine Überzeugungsarbeit leisten mussten oder durften.

 

Vonseiten der Jugendlichen wurde deutlich gemacht, dass unsere Probleme gehört und Lösungen gefunden werden müssen, um eine Partizipation von Kindern und Jugendlichen nicht nur in weiteren Bereichen durchzusetzen und zu erleichtern, sondern sie als vollwertigen Baustein für den Aufbau einer Gesellschaft zu akzeptieren.

 

Dieser Vorgang wird wohl noch ein paar Jahre dauern, aber wir sollten nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern weitermachen. Die Erfolge der Vergangenheit geben uns Recht und Mut sowie die Hoffnung, die Entwicklungen in der Zukunft positiv beeinflussen zu können.

 

Einigen Kommentaren und Bemerkungen der Politiker konnte ich entnehmen, dass sie von unserer Darstellung der Probleme sehr beeindruckt waren und durchaus bereit sind, über ihre Konzepte nachzudenken und für den Bereich Partizipation von Kindern und Jugendlichen ein "Tor für Neues" zu öffnen.

 

Es war einer der ersten Kongresse zum Thema Partizipation Kinder und Jugendlicher, an dem Erwachsene und Jugendliche teilnahmen. Für mich war in erster Linie bemerkenswert, dass es von seiten der Politiker eine hohe Akzeptanz gegenüber uns Jugendlichen gegeben hat. Der Umgang miteinander ist als sehr positiv zu bewerten. Uns wurde zugehört, unsere Meinungen wurden respektiert, und es wurde jedem das Gefühl vermittelt, ernst genommen zu werden.

 

Was ich mir anders gewünscht hätte ...

 

Einigen erwachsenen Rednern fehlte die rhetorische Fähigkeit, interessant zu referieren. Wirklich enttäuschend war, dass die Zeit so knapp bemessen war, dass zwar Diskussionen zu Stande kamen, aber keine Ziele und Problemlösungen erreicht bzw. gefunden werden konnten. Die Moderatoren waren oft nicht in der Lage, Moderation und inhaltliche Statements voneinander zu trennen.

 

Ich war enttäuscht, dass den Jugendlichen durch die Organisation des Theaterpädagogen Fritz Letsch eine feste Form der Problemvorstellungen geben wurde. Einige von uns hätten ihre Meinungen und Problemstellungen gerne in einer anderer Form als durch Forumtheater vorgestellt, was bereits in der Vorbereitung zu einer nicht zielorientierten Methodendiskussion führte.

 

Was es mir gebracht hat...

 

Für mich hat sich die Teilnahme auf jeden Fall gelohnt, weil ich viele Kontakte zu anderen aktiven Jugendlichen knüpfen und mich mit ihnen über deren Arbeit und Probleme austauschen konnte. Ich war begeistert von der Zusammenstellung der Teilnehmergruppe für das Workshop-Wochenende, die, auch wenn wir uns untereinander nicht kannten, sehr schnell zusammenwuchs und somit ein gutes Arbeitsklima geschaffen war.

 

Gelegentliche Probleme mit den verschiedenen Dialekten wurden eher als witzig und nicht als hinderlich gesehen. Das Wochenende in Berlin hat sehr viel Spaß gemacht, weil alle Teilnehmer ungefähr auf einer Wellenlänge lagen, was nicht nur während der Arbeitszeit, sondern auch bei der Gestaltung der Freizeit und der Abende deutlich wurde. Ich war beeindruckt von der Stadt Berlin, auch wenn wir aufgrund der knapp bemessenen Zeit nicht allzu viel zu Gesicht bekamen.

 

Ich habe meine rhetorischen Fähigkeiten anhand einiger gehaltener Reden überprüft, und mir gut formulierte und überzeugende Argumentationen behalten.

 

Eine wesentliche Erfahrung für mich war auch, vor einer so großen Anzahl Menschen frei zu sprechen, da ich einer der Jugendlichen war, die an der abschließenden Podiumsdiskussion teilgenommen haben.

 

Ich denke, dass diese Art der Fachtagung Auswirkungen auf die Partizipationsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen in der Zukunft haben wird, da sie die Möglichkeit bot, vielen Erwachsenen die Probleme von Kindern und Jugendlichen deutlich zu machen, was uns mit der Methode des Forumtheaters sehr gut gelungen ist!

 

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass der Kongress hinsichtlich einer Verbesserung der Partizipationsmöglichkeiten durch unsere Präsentation ein voller Erfolg war, und dass sich klar herausgestellt hat, dass man Jugendliche schon viel früher in diese Art von Kongressen hätte mit einbeziehen sollen, da man dann schon viel weiter gekommen wäre, als das bis jetzt der Fall zu sein scheint!

 

An dieser Stelle möchte ich noch einmal ein Dankeschön an die Leiter des Workshop-Wochenendes Claudia Zinser und Fritz Letsch und die Organisationsleitung des Kongresses aussprechen. Ich denke, dass wir auf dem richtigen Weg sind und hoffe, dass es noch viele Tagungen dieser Art geben wird, da sie uns inhaltlich beim Klären unserer Probleme helfen können.

Weiter so...

Markus Wanke, 16 Jahre

 

Gemeinsam erreichen Jugendliche und Erwachsene mehr

 

Ich besuchte bereits 3 Tage vor dem eigentlichen Kongress mit einigen anderen Jugendlichen einen Workshop mit der Jugendforscherin und Pädagogin Claudia Zinser (DJI) und dem Theaterpädagogen Fritz Letsch in Berlin.

 

Der erste Abend diente zum Kennenlernen, ich empfand dies als sehr interessant, denn alle anwesenden Jugendlichen kamen aus verschiedenen Bundesländern und jeder konnte von einem anderen Beteiligungsmodell berichten. Wir sprachen an diesem Abend sehr ausführlich über die individuellen Hindernisse und Möglichkeiten im eigenen Bereich (Kommune, Verbände, Medien, Schule etc.).

 

Danach hat Fritz Letsch direkt angefangen, mit uns in die Richtung des Theaterspiels zu gehen, und wir konnten Statuen bauen und Figuren führen, wobei sehr viele Konflikte schon deutlich wurden, über die wir dann noch sprachen.

 

Mir hat der Abend großen Spaß gemacht, und ich finde diese Methode, sich an die einzelnen Konflikte heranzutasten, für sehr gelungen.

 

Am nächsten Morgen ging es auch recht früh wieder an die Arbeit, Fritz Letsch gab uns erst einmal eine kleine Einführung in das Forumtheater. Ich glaube, die Idee des Forumtheaters hat allen Anwesenden recht gut gefallen, denn es war für jeden von uns etwas ganz Neues und Besonderes.

 

Die zwei folgenden Tage beschäftigten wir uns größtenteils mit den Vorbereitungen einzelner Szenen, welche die konkreten Konflikte in der Beteiligung deutlich machen sollten. Ich fand das nicht so gut, denn bestimmte Szenen haben uns mit dem Rest unserer Vorbereitungen sehr aufgehalten.

 

Wir hätten uns viel mehr mit anderen Szenen beschäftigen sollen. Diese ständigen Meinungsverschiedenheiten, die ich für vollkommen legitim halte, sind leider nie zu Ende geführt worden, ich denke das lag einfach an dem großen Zeitmangel.

 

Diese Vorbereitungen nahmen viel Zeit in Anspruch, denn viele der Teilnehmer sahen diese Methode, den Erwachsenen unsere Probleme klarzumachen, sehr kritisch.

Auch ich hielt es anfangs für sehr unwahrscheinlich, dass das Publikum darauf reagieren wird.

 

Daraufhin zweigte sich spontan eine kleine Gruppe ab, um ein Alternativkonzept vorzubereiten. An diesem Konzept habe auch ich mitgearbeitet. Auch wir diskutierten lange in dieser Gruppe, wobei wir zu dem Entschluss kamen, einfach eine Art "Kreuzinterview" vorzubereiten, und dies dann bei dem Kongress, für den Fall, dass die vorbereiteten Szenen scheitern, spontan einzufügen.

 

Zuerst überlegten wir uns noch einmal, wo genau unsere Hauptprobleme lagen und listeten diese auf. Jeder einzelne konnte aus eigener Erfahrung konkrete Beispiele zu den Themen nennen. Wir wollten die Themen auf die einzelnen Personen aufteilen und uns dann auf der "Bühne" gegenseitig über unsere Probleme befragen.

 

Am letzten Tag vor dem Kongress probten wir alle die Szenen noch einmal direkt vor Ort und bereiteten verschiedene Plakate vor, welche die Eingangstreppe schmücken und die Teilnehmer des Kongresses durch Fragen in die Jugend zurückholen sollten. Das hielt ich für eine sehr gute Idee, da wir dadurch mit den Erwachsenen auf einer Ebene diskutieren konnten.

 

Am ersten Tag des Kongresses bereiteten wir uns noch einmal auf die Szenen vor.

 

Als wir dann endlich nach großer Aufregung mit den Spielszenen beginnen konnten, hatte ich den Eindruck, dass dies nach langen Vorträgen eine gute Abwechslung war und die ganze Atmosphäre gelockert wurde. Die Erwachsenen gingen gut auf unser Forumtheater ein und wirkten sehr gut und engagiert mit.

 

Dadurch kam dann unsrer Kreuzinterview erst gar nicht zustande, weil unsere Zeit damit schon gefüllt war. Wir waren über die Reaktion sehr überrascht und alle sehr zufrieden.

 

Sehr beeindruckend fand ich auch den darauf folgenden Vortrag von Friedrich Schorlemmer (Theologe/Publizist), der uns Jugendlichen das Gefühl vermittelte, verstanden zu werden.

 

Sehr enttäuscht war ich jedoch von dem Forum "Demokratie Lernen". Absolut unvorteilhaft war schon von vornherein der Saal, in dem die Diskussion stattfinden sollte. Wir saßen nicht in einer angenehmen Diskussionsrunde, sondern größtenteils neben und hintereinander.

 

Der Einstieg der Diskussionsleitung hat meiner Meinung nach schon alles kaputt gemacht, denn die Fragen des Diskussionsleiters wurden sofort von den Teilnehmern abgeblockt. Dadurch entstand eine schlechte Stimmung im Raum, und keiner nahm das Ganze mehr ernst.

 

Sehr gut fand ich die Vorträge von Claudia Zinser und Claudia Bruner, die klar machten, was es heißt, Jugendliche ernst zu nehmen und welche Konflikte in den Strukturen verschiedener Beteiligungsmodelle entstehen.

 

Ich finde, dass es sich absolut gelohnt hat, an diesem Wochenende teilzunehmen, und dass schon die ganzen Bekanntschaften mit den anderen Jugendlichen interessant waren.

 

Schade war es nur, dass so wenig Zeit für wichtige Grundsatzdiskussionen und andere Vorbereitungen für den Kongress war. Ich finde jedoch, dass wir mit unserer Arbeit erfolgreich waren.

Danke nochmal, dass ich teilnehmen konnte!Tayna Chaskiel, 16 Jahre